1. Kurze Einleitung
ETF ist eine der meistgenutzten Abkürzungen, wenn es um Geldanlage geht – Exchange Traded Fund, zu Deutsch etwa „börsengehandelter Fonds". Viele bekannte ETFs bilden passiv einen Börsenindex nach, es gibt aber auch aktive ETFs. Dieser Beitrag erklärt verständlich, wie ETFs funktionieren, welche Kosten und Risiken dabei eine Rolle spielen und was ein „Sondervermögen" tatsächlich schützt – ohne eine bestimmte Anlage zu empfehlen.
2. Was ist ein Börsenindex?
Ein Börsenindex bildet die Wertentwicklung einer bestimmten Gruppe von Vermögenswerten ab – etwa von Aktien. Der DAX etwa spiegelt die Kursentwicklung der darin enthaltenen deutschen Großunternehmen wider. Ein Index ist damit selbst kein Produkt, das man kaufen kann, sondern eine Rechengröße: eine Art Messlatte für die Entwicklung eines bestimmten Marktes. Je nachdem, welche Werte und Regeln zugrunde liegen, kann ein Index sehr breit gestreut sein oder sich auf einzelne Länder, Branchen oder Themen konzentrieren.
3. Was ist ein ETF?
Ein ETF beschreibt zunächst einen Fonds, der direkt an der Börse gehandelt wird. Viele ETFs bilden passiv einen Index nach und sind damit zugleich ETF und Indexfonds: Der Verwalter trifft dabei keine eigenen Anlageentscheidungen, sondern bildet lediglich die Entwicklung des vorgegebenen Index nach. Das gilt aber nicht ausnahmslos: Es gibt auch „aktive ETFs", bei denen sich der Verwalter zwar an einem Index orientiert, aber gezielt versucht, ihn durch eigene Entscheidungen zu übertreffen. Umgekehrt gibt es auch Indexfonds, die nicht an der Börse gehandelt werden. Ob ein Fonds aktiv oder passiv gemanagt wird, erlaubt für sich genommen keine Aussage darüber, wie sich seine Wertentwicklung tatsächlich gestaltet.
4. Wie ein ETF einen Index nachbildet: physisch und synthetisch
Ein ETF kann einen Index auf zwei unterschiedliche Arten nachbilden. Bei der physischen Replikation kauft der Fonds die im Index enthaltenen Wertpapiere direkt. Bei der synthetischen Replikation erfolgt die Nachbildung stattdessen über Finanzgeschäfte wie Swaps, mit denen die Wertentwicklung des Index abgebildet wird. Bei der synthetischen Nachbildung besteht ein Kontrahentenrisiko gegenüber dem Vertragspartner des Swap-Geschäfts. Keine der beiden Methoden lässt sich pauschal als grundsätzlich besser oder sicherer bezeichnen.
5. Ausschüttend oder thesaurierend
ETFs unterscheiden sich außerdem darin, wie sie mit Erträgen wie Dividenden oder Zinsen umgehen. Bei ausschüttenden ETFs werden diese Erträge regelmäßig an die Anlegerinnen und Anleger ausgezahlt. Bei thesaurierenden ETFs verbleiben die Erträge dagegen im Fondsvermögen und werden automatisch wieder angelegt. Welche Variante passt, hängt vom persönlichen Anlageziel ab.
6. Welche Kosten entstehen können
Auch ETFs sind nicht kostenlos. Da passive ETFs lediglich einen Index nachbilden, ohne dass ein Fondsmanager eigene Anlageentscheidungen trifft, fallen die laufenden Kosten meist niedriger aus als bei aktiv gemanagten Fonds. ETFs lassen sich zudem meist ohne Ausgabeaufschlag direkt an der Börse kaufen. Trotzdem können weitere Kosten entstehen, etwa laufende Verwaltungskosten, die aus dem Fondsvermögen beglichen werden, sowie Handelskosten der jeweiligen Bank oder des Brokers. Wie hoch diese im Einzelfall ausfallen, hängt vom jeweiligen Anbieter ab und wird an dieser Stelle bewusst nicht verglichen.
7. Kurs- und Marktrisiko: ein ETF ist keine garantierte Geldanlage
Der Wert eines ETFs hängt unmittelbar davon ab, wie sich die im Index enthaltenen Vermögenswerte entwickeln. Fallen die Kurse der zugrunde liegenden Werte, sinkt entsprechend auch der Wert des ETFs – ein passiv gemanagter ETF kann darauf nicht aktiv reagieren, da er den Index strikt nachbildet. Ein ETF ist damit keine garantierte Geldanlage: Niemand kann vorhersagen, wie sich ein Index künftig entwickelt, und ein Kapitalverlust ist grundsätzlich möglich. Die Risiken der Geldanlage tragen Anlegerinnen und Anleger stets selbst.
8. Konzentrationsrisiko bei speziellen Indizes
Nicht jeder Index ist gleich breit gestreut. Neben etablierten, breit aufgestellten Indizes gibt es auch ETFs, die weniger bekannte Indizes nachbilden, etwa mit Fokus auf einzelne Branchen, Länder oder Themen. Solche spezialisierten ETFs bieten tendenziell weniger Risikostreuung als breit gestreute Indizes. Wirkt sich eine negative Entwicklung genau auf den Bereich aus, den ein solcher Index abbildet, kann sich das entsprechend stärker auf den ETF-Wert auswirken.
9. Währungsrisiko
Bildet ein ETF einen Index nach, der Wertpapiere außerhalb des Euroraums enthält, spielt zusätzlich die Wechselkursentwicklung eine Rolle, soweit dieses Währungsrisiko nicht abgesichert ist. Verändert sich der Wechselkurs zwischen Euro und der jeweiligen Fremdwährung, kann sich das auf den Wert des ETFs auswirken – sowohl positiv als auch negativ.
10. Was „Sondervermögen" bedeutet – und wovor es schützt
Der Begriff Sondervermögen bezeichnet ein rechtlich vom eigenen Vermögen der Kapitalverwaltungsgesellschaft getrennt gehaltenes Fondsvermögen – und betrifft damit auch die meisten in Deutschland vertriebenen ETFs. Diese Trennung schützt bei einer Insolvenz der Kapitalverwaltungsgesellschaft, jedoch nicht vor Kurs- oder Marktverlusten: Verliert der zugrunde liegende Index an Wert, sinkt auch der Wert des ETFs. Die genaue Konstruktion kann sich je nach Rechtsform und Fondsdomizil unterscheiden; maßgeblich sind die jeweiligen Produktunterlagen. Von der gesetzlichen Einlagensicherung für Bankguthaben ist das Sondervermögen ebenfalls zu unterscheiden; mehr dazu im Beitrag Einlagensicherung: Wie sicher ist mein Geld auf dem Girokonto?
11. ETF im Vergleich zum aktiv verwalteten Fonds
Bei einem aktiv verwalteten Fonds entscheidet die Fondsmanagerin oder der Fondsmanager selbst, wie das Fondsvermögen auf verschiedene Vermögenswerte verteilt wird, und passt die Zusammensetzung flexibel an. Ziel ist es häufig, eine bessere Wertentwicklung als ein bestimmter Vergleichsindex zu erzielen – das gelingt aber nicht immer, und dafür fallen in der Regel höhere Kosten an. Ein passiver, indexnachbildender ETF verfolgt dagegen keine eigene Strategie: Seine Zusammensetzung steht durch den nachgebildeten Index von vornherein fest. Ein aktiver ETF ist dagegen sowohl ein börsengehandelter Fonds als auch ein aktiv verwalteter Fonds: Das Management wählt die Anlagen nach der festgelegten Strategie aus.
12. Max Mustermann: ein einfaches Beispiel
Max Mustermann möchte langfristig Geld anlegen und interessiert sich für ETFs. Er informiert sich über einen breit gestreuten, vollständig fiktiven Aktienindex, den „Musterwerk Weltindex", der Aktien zahlreicher Unternehmen aus verschiedenen Ländern und Branchen enthält. Ein ETF, der diesen fiktiven Index nachbildet, würde die Wertentwicklung all dieser Unternehmen gemeinsam abbilden, statt dass Max einzelne Aktien selbst auswählen müsste. Steigen die Kurse der enthaltenen Unternehmen insgesamt, würde auch der Wert des ETFs steigen – fallen sie, sinkt er entsprechend. Max ist bewusst, dass auch ein breit gestreuter ETF keine Gewinne garantiert. Dieses Beispiel dient ausschließlich der Veranschaulichung und ist keine Empfehlung für ein bestimmtes Produkt oder einen bestimmten Index.
13. Häufige Missverständnisse
„Ein ETF ist automatisch sicherer als eine einzelne Aktie."
Zu pauschal: Ein ETF streut das Risiko auf viele Werte, unterliegt aber weiterhin vollständig dem Marktpreisrisiko der enthaltenen Vermögenswerte.
„Sondervermögen bedeutet, dass mein Geld nicht verloren gehen kann."
Falsch: Die Trennung des Fondsvermögens vom Vermögen der Kapitalverwaltungsgesellschaft schützt nur bei deren Insolvenz, nicht vor Kursverlusten.
„Physische ETFs sind grundsätzlich sicherer als synthetische."
Zu pauschal: Beide Nachbildungsarten haben unterschiedliche Merkmale, keine ist grundsätzlich vorzuziehen.
„ETF und Indexfonds sind immer dasselbe."
Nicht ganz: Viele ETFs sind zugleich passive Indexfonds, es gibt aber auch aktive ETFs und Indexfonds ohne Börsenhandel.
14. Fazit
ETFs sind zunächst Fonds, die an der Börse gehandelt werden. Viele davon bilden passiv einen Index nach und sind damit zugleich ETF und Indexfonds – daneben gibt es aber auch aktive ETFs sowie Indexfonds ohne Börsenhandel. Wie die Nachbildung erfolgt, ob Erträge ausgeschüttet oder thesauriert werden und welche Kosten entstehen, unterscheidet sich je nach ETF. Die rechtliche Trennung des Fondsvermögens vom Vermögen der Kapitalverwaltungsgesellschaft schützt bei deren Insolvenz – nicht aber vor Kurs- und Marktverlusten. Ein ETF bleibt damit, wie jede Geldanlage in Wertpapieren, mit Risiken verbunden und keine garantierte Geldanlage.
Weiterführende Informationen
Quellen
Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und stellen keine individuelle Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung dar.
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